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Baffi ist wieder da. Und Twitter hat sie gefunden.

Montag Sep 22, 2014

Montag Morgen im Büro.

Kreidebleich tritt mir meine Kollegin entgegen: “Die Baffi ist weg.”

In wechselndem Turnus bringt immer wieder mal einer der hundebesitzenden Kollegen seinen haarigen Gefährten mit ins Büro. Das ist zwar offiziell nicht erlaubt, aber wo kein Kläger, da ist bekanntermaßen auch kein Richter. Baffi ist der kleinste dieser Hunde, alt, fast blind, fast taub, aber immer noch munter in all unseren Räumen unterwegs. Warum auch immer – Baffi hatte gestern Nachmittag abenteuerlustig einen Tunnel unter dem Zaun auf dem Grundstück meiner Kollegin gebuddelt und war in der Lüntenbeck verschwunden. “Ich rufe gleich im Tierheim an, ich habe gestern bereits dem Ordnungsamt Bescheid gegeben. Ich habe echt Angst, dass Baffi überfahren worden ist, die taube Nuss. Was kann ich denn nur sonst noch tun? Sie ist natürlich gechippt, aber bisher scheint sie noch niemand gefunden zu haben.” Meine Kollegin weinte.

Neben der schon oft gesehenen Bepflasterung umliegender Bäume und Straßenlaternen mit Vermisst-Anzeigen kam mir dann noch Twitter in den Sinn. Wir sind schon einige Twitterer im Tal; aber wer liest es dann gerade? Und was nutzt es, wenn süddeutsche Leser meiner Bitte um Retweet einer Vermisstenanzeige nachkommen? Egal. Ich bat meine Kollegin um ein Foto – allein schon, weil ich dadurch das Gefühl hatte, wenigstens irgendwas zu tun, um einen kleinen Hoffnungsschimmer anzubieten.

Gesagt getan. Ich schrieb den Tweet, der sofort von ein paar Wuppertaler Twitterern retweetet wurde. Und dann das Unfassbare: Ein paar Minuten später antwortete @schizohell, dass ich mich über Facebook bei einer Frau melden könne, die den Hund gefunden habe. In einem zweiten Tweet bekam ich dann noch einen Screenshot mit einem Foto von Baffi.

Ich rief meine Kollegin herüber, die sofort Kontakt aufnahm, um dann loszufahren und Baffi abzuholen.

Und dann saß ich erst einmal hier. Hatte Twitter Baffi wiedergefunden? Ja! Twitter hatte tatsächlich Baffi wiedergefunden. Das habe ich natürlich sofort getwittert, aber wenn die Retweet-Maschine erst einmal läuft, läuft sie. Die Vermisstenanzeige wird immer noch retweetet, mittlerweile fast 40 Mal. Wer Twitter kennt, weiß, dass sich das nicht mal soeben stoppen lässt, da man all die Timelines, in denen sich der Tweet befindet, ja gar nicht mehr erreichen kann.

Mittlerweile liegt Baffi wieder in unserem Büro, wenn sie nicht gerade auf Leckerchen- oder Schmuserunde ist. Die Finderin des Hundes hatte wohl gestern ebenso wie meine Kollegin das Ordnungsamt kontaktiert. Leider hat man meiner Kollegin auch heute dort nicht gesagt, dass wohl in der Lüntenbeck ein Hund gefunden wurde, der der Beschreibung entspricht.

Aber was auch immer analog möglich gewesen wäre: Über Twitter hat die Suche viral so rasant Erfolg gehabt, wie ich es nicht vermutet hätte. Oder doch vermutet hätte? Auf jeden Fall weiß ich eines. Ein Tweet ist keine Stecknadel im Heuhaufen. Und Crowdsourcing über Twitter ist klasse.

 

 

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