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Der Maler

Dienstag Sep 18, 2012

Der Junge weinte nie. Wenn er sich die Knie aufschlug, dachte er an Winnetou. Geriet er in eine Rangelei, biss er die Zähne zusammen und versuchte, den anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Egal, wie groß seine eigene Wut war. Man hatte ihm die Geschichte von der anderen Wange erzählt, die noch hinzuhalten sei.

Später, als ihm sein bester Freund ihm seinen Schwarm ausspannte, sagte er nichts. Er hielt Abstand von denen, die ihn verletzt hatten, denn er spürte, dass ihn das schützen würde.

Seine Schulzeit bestand er zwar nicht glänzend, aber weitestgehend unbeschadet. Natürlich wurde auch er irgendwann gemobbt, weil er nicht zu denen gehören wollte, die herumrandalierten und laut pöbelnd die Aufmerksamkeit der Mädchen auf sich zu ziehen suchten.

Als seine Mutter nach langer Krankheit starb, weinte er nicht, denn er wusste, dass alle es jetzt besser hatten.

Er redete auch nie viel.Große Worte hörte man von ihm selten. Aber er malte gern. Keine schlimmen Bilder, in denen er seinen Schmerz verarbeitete. Bilder von Natur, Landschaften, fröhlichen Menschen. Aber vielleicht war es kein Zufall, dass seine ganzen ungeweinten Tränen ihren Weg aus ihm heraus in den bunten Wasserfarben fanden, die er für seine Bilder ausschließlich benutzte.

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