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Der bedeutungslose Streit

Dienstag Sep 18, 2012

Wabernd klang seine Stimme. Etwas diffus, eine Stimme, die nur sehr schwer zu erfassen war. War sie hoch? War sie niedrig? Hatte sie ein Echo? All das traf es nicht. Der Nebel sprach nicht mit klarer Stimme. Auch wenn er laut wurde, so wie jetzt, hatte man den Eindruck, als hörte man drei Stimmen gleichzeitig, keine davon klar umrissen.

“Meine Zeit ist gekommen! Deine Zeit, die Zeit, zu der du scharf die Konturen der Welt bestimmst, ist vorbei. Die Sonne steht tief, und alles was du noch kannst, sind langgezogene, verzerrte Abbilder der Wirklichkeit. Geh und halte Winterschlaf!”

Der Schatten hielt kurz inne, bevor er dem Nebel vorwarf, Wirklichkeit nicht einmal beurteilen zu können, da niemand sie sehen könne, sobald er nur in der Nähe sei. “Es mag sein, dass man mir Schwarz-Weiß-Malerei vorwirft”, sprach er mit stechend klaren Worten. “Aber was weißt du schon von den Nuancen zwischen gold und orange, mit denen ich bei Sonnenuntergängen spielen kann.”

So ging es hin und her. Von den grauen Herren war die Rede, von den Schattenseiten des Lebens.

Schweigend stand mitten im Stimmengewirr die Aster. Der verbale Schlagabtausch interessierte sie nicht. Sollte im Streit gewinnen, wer mochte, für sie war es gleich.

Sie stand einfach dort. Und sehnte sich danach, die Strahlen der Sonne lila zu färben.

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