echolotta

RSS Feed

Warum die Katze hinten nur vier Krallen hat

Freitag Apr 1, 2011

Einst war die Katze das schönste und stolzeste Tier, das der liebe Herrgott unter der Sonne geschaffen hatte. Im Nildelta verehrte man sie wie Göttinnen, es war die Gnädigkeit der Katze, in die Häuser zu kommen.

Das wäre nun heute noch so, wenn es nicht diesen älteren Herrn gegeben hätte, der immer Stimmen hörte. Die Schizophrenie war damals noch nicht erfunden, so nahm man einfach hin, dass dieser Herr Dinge tat, die ihm irgendwer gesagt hatte, den man nicht sehen konnte. Der ältere Herr hieß Noah.

Eines Tages ging Noah in den Wald und schlug die Bäume ab. Ein jeder wunderte sich, was Noah mit soviel Holz wollte. Aber man war es gewohnt, dass Noah ungewöhnliche Dinge tat. Als Noah den Wald abgeholzt hatte, begann er, aus den Stämmen ein Boot zu bauen. “Aber Noah, warum baust du denn ein Boot?” wollten die Leute wissen. “Na, damit ich die Tierwelt retten kann, wenn das Wasser kommt”, antwortete er. “Welches Wasser denn, Noah?” “Ja, äääh, Moment, ich hör grad was … äääh die Sintflut”.

Kopfschüttelnd wandten sich die Leute ab. Es war schon ein Kreuz mit dem Kerl (Kreuze waren damals schon erfunden, auch wenn sie ihre eigentliche Bestimmung erst viel später in der Geschichte bekommen sollten).

Als Noah mit dem Bau seines Boots fertig war, begann es zu regnen. Es regnete und regnete und hörte überhaupt nicht mehr auf. Die Leute verkrochen sich in ihren Häusern. Alle bis auf Noah. Noah lief durch den nicht mehr vorhandenen Wald und sammelte Tiere ein. Von jeder Tierart ein Männchen und ein Weibchen und schaffte sie auf sein Boot.

Als Noah alle Tierarten beisammen hatte (auch die, bei denen heute niemand mehr versteht, warum Noah da nicht eine Ausnahme machen konnte, Mücken und Spinnen zum Beispiel), ließ er die Leinen vom Boot los und fuhr auf dem Wasser. Zufrieden, dass er das vollendet hatte, was die Stimme ihm geheißen, blickte er sich um.

“Moment”, dachte Noah, “hier stimmt was nicht”. Er ließ den Blick über die versammelte Tierschar schweifen. Er zählte durch. Und nochmal und nochmal. “Mist”, dachte er (Mist war auch schon erfunden, deshalb hatte Noah auf dem Boot eine Ecke für einen großen Misthaufen freigelassen), “die Mäuse. Ich hab die Mäuse vergessen”. Noah war halt schon ein älterer Herr, da vergisst man schonmal was. “Was mach ich nur?”

Diesmal hatte er laut mit der Stimme gesprochen, die nur er und sonst nie jemand hörte. Und diese Stimme schallte laut und vernehmlich zurück: “Noah, das ist dein Problem. Wende dich mal an die Katzen, ist schließlich ihr Futter!”

“Gute Idee”, dachte Noah und ging zu den Katzen, um ihnen das Dilemma zu erklären. “Ja, und was sollen wir daran jetzt machen?” mauzte es zurück. “Ich hab da so ne Idee”, sagte Noah. “Der liebe Herrgott hat doch damals aus der Rippe vom Adam die Eva gemacht. Das könnten wir versuchen. Wenn mir jeder von euch zwei Krallen gibt, kann ich daraus neue Mäuse formen, und ihr habt später auch was zu essen.”

Die Katzen berieten sich. Lang. Bis die eine seufzte, zu Noah ging und ihm mit den Worten “Welche Wahl haben wir schon?” vier Hinterkrallen vor die Füße legte.

Der Plan ging auf. Die Mäuse gelangen Noah recht ansehnlich. Aber seit dieser Zeit haben Katzen an den Hinterläufen nur noch vier Krallen. Was sie immer noch zu stolzen, erhabenen Tieren machte, was den Bewohnern des Nildeltas aber so verstümmelt vorkam, dass sie die Katzenverehrung umgehend einstellten.

Comments are closed.

Black&white Wordpress Theme. Design: xns.ru & Moscow night photography.