echolotta

RSS Feed

Rose und Schmetterling

Freitag Sep 21, 2012

Angezogen von Farbe und Duft fliegt der Schmetterling in die Rose. Seine Flügel gleichen in ihrer Form den Blütenblättern.

Tief steckt der Schmetterling seinen Rüssel in den Kelch. “Ach wäre ich doch ein Teil dieser Rose, dann würde ich diesen Duft immer bei mir tragen.”

Die Rose freut sich über den Besuch des Schmetterlings. Sie spreizt ihre Blätter, um ihm Platz zu machen. Der Schmetterling flattert dabei mit den Flügeln. “Ach hätte ich doch Blätter, die fliegen könnten! Dann könnte ich meinen Duft in der ganzen Welt verbreiten.”

Wer sie anschaut, die beiden, den Schmetterling in der Rose, sieht die perfekte Symbiose der Wünsche. Sind es Schmetterlingsblätter? Sind es Rosenflügel?

 


Über Staub und Asche

Freitag Sep 21, 2012

Zwischen Asche, Staub, Dreck und Geschichte sitze ich an diesem Rechner.  Ich versuche zu schreiben, und merke, wie sich mein Denken von meiner Umgebung abhebt. Meine Gedanken wären erdverbundener, wenn ich einladend säße. Zwischen dem Denken, hoch in der Atmosphäre, bar jeder Physik, und der Erde regiert der Körper.

Dieser Körper gibt dem Denken einen  Tritt:  “Los, schweb fort von diesem Ort! Mit uns beiden zusammen wird das heute nichts, ich quengel nur herum!”

Und mein Denken fliegt. Nimmt Asche, Staub, Dreck und den Körper zwischen ihm und der Erde nicht mehr wahr. Umso weiter es fliegt, desto unwichtiger werden Logik, Schwerkraft, Vernunft, Zeitenfolgen.

Ob solche Höhenflüge möglich wären, wenn unter mir und um mich kein Schmutz, sondern weiche Gemütlichkeit wäre? Würde das Denken den säuselnden Wörten des Körpers erliegen? “Kommt, ihr Gedanken, haben wir es nicht schön gemeinsam? Sollen wir kuscheln?”


Das Notizbuch.

Mittwoch Sep 19, 2012

Große Ohren hat der Hase. Und wie wir vom Wolf wissen, sind große Ohren dazu da, um besser hören zu können.

Der Hase, den ich meine, lauschte immer besonders gut. Ihn interessierte aber selten, was sich die Menschen oder die Tiere im Wald mitzuteilen hatten. Das meiste davon hielt er für Geschwätz.

Der Hase, den ich meine, lauschte mit Vorliebe dem Wind. Der Wind kam von weit her, brachte oft Geschichten aus ganz anderen Teilen des Landes mit. Manchmal kam er vom Meer, und der Hase glaubte, in seinem Rauschen das Getöse der Wellen noch zu erkennen. Oft klang der Wind aufbrausend, manchmal aber auch hüpfend lustig oder tuschelnd, als habe er Heimlichkeiten weiterzutragen.

Und der Hase schrieb. Er hatte ein Notizbuch, in das er alles hineinschrieb. Die Geschichten, die er wirklich hörte, die Geschichten, die er glaubte, wenn er dem leisen Tuscheln innerlich Bilder gab. Seite um Seite wurde im Lauf der Zeit sein Notizbuch gefüllt.

Eines Tages ließ er sein Notizbuch versehentlich liegen, auf einer Lichtung im Wald. Er war nach Hause in den Bau geeilt, weil die Häsin Nachwuchs erwartete. Da war er sehr eilig geworden. Das Buch lag aufgeschlagen in dem härchengleichen Gras der Lichtung, aufgeblättert in seinem letzten Eintrag.

Ein leichter Windhauch strich über die Lichtung und bewegte das oberste Blatt des aufgeschlagenen Notizbuchs. Der Wind sah, was dort geschrieben stand. Es ging um ihn! Ob darin wohl noch mehr stand? Da wurde der Wind kräftiger. Er wollte lesen, was der Hase über ihn dachte.

Seit Stunden nun blättert der Wind in des Hasen Notizbuch. Er schlägt die Blätter um. Er liest sehr gründlich und immer wieder. Daher schlägt er vor und zurück, vor und zurück, und vor und zurück. Der Wind ist ein merkwürdiger Leser.

 

 

 

 

 


Der Maler

Dienstag Sep 18, 2012

Der Junge weinte nie. Wenn er sich die Knie aufschlug, dachte er an Winnetou. Geriet er in eine Rangelei, biss er die Zähne zusammen und versuchte, den anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Egal, wie groß seine eigene Wut war. Man hatte ihm die Geschichte von der anderen Wange erzählt, die noch hinzuhalten sei.

Später, als ihm sein bester Freund ihm seinen Schwarm ausspannte, sagte er nichts. Er hielt Abstand von denen, die ihn verletzt hatten, denn er spürte, dass ihn das schützen würde.

Seine Schulzeit bestand er zwar nicht glänzend, aber weitestgehend unbeschadet. Natürlich wurde auch er irgendwann gemobbt, weil er nicht zu denen gehören wollte, die herumrandalierten und laut pöbelnd die Aufmerksamkeit der Mädchen auf sich zu ziehen suchten.

Als seine Mutter nach langer Krankheit starb, weinte er nicht, denn er wusste, dass alle es jetzt besser hatten.

Er redete auch nie viel.Große Worte hörte man von ihm selten. Aber er malte gern. Keine schlimmen Bilder, in denen er seinen Schmerz verarbeitete. Bilder von Natur, Landschaften, fröhlichen Menschen. Aber vielleicht war es kein Zufall, dass seine ganzen ungeweinten Tränen ihren Weg aus ihm heraus in den bunten Wasserfarben fanden, die er für seine Bilder ausschließlich benutzte.


Der bedeutungslose Streit

Dienstag Sep 18, 2012

Wabernd klang seine Stimme. Etwas diffus, eine Stimme, die nur sehr schwer zu erfassen war. War sie hoch? War sie niedrig? Hatte sie ein Echo? All das traf es nicht. Der Nebel sprach nicht mit klarer Stimme. Auch wenn er laut wurde, so wie jetzt, hatte man den Eindruck, als hörte man drei Stimmen gleichzeitig, keine davon klar umrissen.

“Meine Zeit ist gekommen! Deine Zeit, die Zeit, zu der du scharf die Konturen der Welt bestimmst, ist vorbei. Die Sonne steht tief, und alles was du noch kannst, sind langgezogene, verzerrte Abbilder der Wirklichkeit. Geh und halte Winterschlaf!”

Der Schatten hielt kurz inne, bevor er dem Nebel vorwarf, Wirklichkeit nicht einmal beurteilen zu können, da niemand sie sehen könne, sobald er nur in der Nähe sei. “Es mag sein, dass man mir Schwarz-Weiß-Malerei vorwirft”, sprach er mit stechend klaren Worten. “Aber was weißt du schon von den Nuancen zwischen gold und orange, mit denen ich bei Sonnenuntergängen spielen kann.”

So ging es hin und her. Von den grauen Herren war die Rede, von den Schattenseiten des Lebens.

Schweigend stand mitten im Stimmengewirr die Aster. Der verbale Schlagabtausch interessierte sie nicht. Sollte im Streit gewinnen, wer mochte, für sie war es gleich.

Sie stand einfach dort. Und sehnte sich danach, die Strahlen der Sonne lila zu färben.


Black&white Wordpress Theme. Design: xns.ru & Moscow night photography.