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Saunatag

Samstag Nov 4, 2017

Freier Tag. Zeit. Sauna.

Wann immer jemand nicht weiß, womit er oder sie mich beschenken soll, lautet meine Empfehlung: Besorg mir doch einen Gutschein für die Sauna. Egal, welche. Nur nicht so weit weg, dass ich auf der Heimfahrt am Steuer vor wohliger Entspanntheit einschlafe. Und so habe ich immer einen kleinen Vorrat an Saunagutscheinen für die Wellnesstempel der Umgebung.

Heute steht ein ganzer Tag zur Verfügung, also darf es die riesengroße Saunaanlage sein, mit Saunen drinnen und draußen, kaltem und heißem Wasser aller Art, salzig, nicht salzig, in Becken, aus Regenwaldduschen, gefroren aus Wänden herausbröckelnd, erwärmt aus Birkenzweigen. Tasche gepackt, kurz die Besucherauslastung gecheckt, und auf geht´s.

Sauna bedeutet für mich: Bitte mit Aufguss. Dieses langsame Dahinsterben in trockenen Saunen, bis mein Körper ein gelangweiltes erstes Schweißtröpfchen durch die Haut presst, ist nichts für mich. Außerdem gibt es nichts Schöneres, als nackt auf einem Handtuch zu sitzen, zu dampfen wie ein Topf Suppe kurz vor dem Überkochen und dabei einen bekleideten Bademeister richtig heftig arbeiten und dabei erstaunlicherweise nicht tot umfallen zu sehen.

Laut Aufgussplan findet der nächste Aufguss, Sandelholz, und für die samtweiche Haut reichen wir Ihnen zwischendurch Salz mit Menthol für ein Peeling, in einer der großen Saunen statt, die locker 50 Personen fasst. Ein kurzer Blick über die Besucherzahl rät mir, die Sauna frühzeitig aufzusuchen, um a) überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen und b) einen Platz auf der mittleren Bank. Es ist weniger die Angst vor der großen Hitze auf den oberen Bänken als eine akribisch genaue Berechnung, wie lange es dauern wird, die Sauna im Falle eines eckigen Kreislaufs verlassen zu können. Insbesondere, wenn unter einem ein Block Walrösser sitzt, die zwar in der Regel sehr freundlich, aber eben nicht besonders schnell sind, wenn sie ihre wuchtige Masse vom S(schw)itzen in die Vertikale bewegen müssen.

Was dann geschieht, ist in etwa vergleichbar mit dem Ansturm vor einer Arztpraxis kurz vor der morgendlichen Öffnung. Ja früh genug da sein, um als erster dran zu kommen oder zumindest einen guten Sitzplatz im Wartezimmer zu ergattern. Schon eine gute Viertelstunde vor dem Aufguss sichern sich die ersten Besucher die besten Plätze auf den mittleren Bänken. Ist die Bank voll, muss jedes Mal jemand aufstehen, wenn jemand notgedrungen einen Platz auf der oberen Bank besetzen will, die Dreisten setzen sich zwischen die Füße derjenigen von der mittleren Bank auf die untere Bank. Was bedeutet, dass ihre eigenen Füße auf dem Boden stehen, jenem schmalen Gang, den der Bademeister braucht, um durch den Raum zu gehen und die heiße nasse Luft zu verwedeln. Es gibt Bademeister, die solche Leute auffordern, den Gang frei zu machen. Nach einiger Zeit der Diskussion rücken die Besucher auf der mittleren Bank dann stöhnend und schimpfend noch enger zusammen.

Auch dieses Mal ist es so. Die Sauna ist riesig, die drei Bänke gehen in drei Etagen fast im Rund einmal um den Aufgussofen herum. Die ersten Besucher dampfen schon 15 Minuten vor dem Termin auf den mittleren Bänken vor sich hin. 15 Minuten in einer Sauna sind lag, vor allem, wenn die Aufgussrunden dann erst noch beginnen. Kaum einer traut sich die Handtuchnummer, wie sie in am Pool eines All-Inclusive-Urlaubs zum Sichern der Liegen üblich ist. Wer auf seinem Handtuch sitzt, verlässt es nicht wieder. Ob es die Angst ist, dass das Handtuch nicht mehr in seiner angemessenen Breite auf der Bank liegt, wenn man sich draußen noch einmal abkühlt und dann wieder rein kommt? Oder die Angst, als Weichei zu gelten, wenn man schon so früh hinein geht und es dann doch nicht so lange aushalten möchte?

Zehn Minuten vor Beginn des Aufgusses. Die Sauna ist gestopft voll, auf der zweiten Bank sitzt man fast Haut an Haut. Die ersten Schmatzgeräusche von schwitzenden Körpern sind vernehmbar. Hier und dort wird geschwatzt, die Schwiegertochter ist eine einzige Enttäuschung, und hast du schon gehört, dass Hilde eine neue Hüfte bekommen soll? Die ersten Verzweifelten streiten darum, ob die Tür der Sauna nun schon aufgestellt werden kann, um Sauerstoff aka kühle Luft für die viel zu früh Hereingekommenen und nun Leidenden hereinzulassen. Kommen Sie doch später, wenn es Ihnen zu warm ist. Nach und nach wird es ruhiger im Raum. Schließlich muss der Bademeister ja jeden Moment kommen.

Und so starrt jeder vor sich hin, der Schweiß rinnt bereits in Strömen, jeder zählt die Minuten, bis die Tür aufgeht und ein riesiges Handtuch in kreisenden Bewegungen kühle frische Luft von draußen in den Raum befördert.

Nach einer gefühlten Unendlichkeit öffnet sich die Tür. „Guten Tag“, sagt der Mann im Anzug und zieht einen Staubsauger hinter sich in den Gang, der zu Füßen der Besucher um den Saunaofen führt. „Gestatten, ich bin Herr Klien und komme von der Firma Vakumeister, um Ihnen unser neuestes Staubsaugermodell vorzuführen. Oh, wie ich sehe, bin ich hier in einer Sauna. Das gibt mir die Gelegenheit, Ihnen auch unseren Saugwisch-Aufsatz zu zeigen, mit dem Sie mühelos auch Pfützen aufwischen können.“

Er schaut in die Runde. 50 Augenpaare (49,5, um genau zu sein, ein Mann trägt eine Augenklappe) mustern ihn schweigend. „Wie sorgen Sie daheim denn bisher für eine porentiefe hygienische Reinigung Ihrer Böden?“ Niemand antwortet. Schließlich fixiert Herr Klien seinen Blick auf eine Dame mittleren Alters in der linken Hälfte der dritten Bank. „Wieso starren Sie mich an?“ fragt die Dame, „könnten Sie sich bitte an den Sauna-Knigge halten? Starren ist ein absolutes Tabu und kann schnell als sexuelle Belästigung oder Herabwürdigung verstanden werden!“ Beifallendes Gemurmel der anderen Besucher. „Oh, nun gut, verzeihen Sie“, sagt Herr Klien, öffnet den Deckel des Staubsaugers und zieht den Staubsaugerbeutel hervor. „Schauen wir uns dann also bitte mal diesen Sack an, er ist wasserdicht …“ „Pfuiii“, ruft einer der Besucher, „so halten Sie sich doch an die Regeln, solche Wörter dürfen Sie in einer Sauna nicht einmal denken!“

Herr Klien errötet und lockert den Schlips um seinen Hals ein wenig. Es dürfte weniger die Wärme sein als die Doppeldeutigkeit seines soeben verwendeten Wortes. „Nun gut. Beschäftigen wir uns mit etwas anderem. Zum Zubehör des Staubsaugers gehören eine Reihe Steckteile …“ „Na, jetzt hören Sie aber langsam auf!“ „… mit denen Sie ein gutes Polster auch bürsten können.“ „Unglaublich! Verlassen Sie den Raum!“ Ein älterer Herr wirft mit einer unerlaubterweise hereingebrachten Schneekugel aus einem der Bottiche im Saunadorf. „Was kommt als nächstes? Wollen Sie uns den Saugrüssel beschreiben?“ „Ääääh, nun ja, das wäre auch ein besonderes Element dieses Geräts …“ Ein Sturm der Entrüstung erhebt sich in den Reihen. „Gehen Sie raus!“ Einige Handtücher fliegen durch den Raum.

Es öffnet sich erneut die Tür. Herein kommt der Bademeister mit einem Tablett voller Wassereis in den Geschmacksrichtungen Waldmeister, Zitrone und Cola. „Hier bitte, lassen Sie das Tablett gern herumgehen. Und beim nächsten Besuch …Vielleicht bilden Sie doch besser eine Schlange vor dem Eingang. Nach so einer langen Wartezeit in einer heißen Sauna stellen sich gern mal ein kollabierender Kreislauf und Halluzinationen ein.“


Das Notizbuch.

Mittwoch Sep 19, 2012

Große Ohren hat der Hase. Und wie wir vom Wolf wissen, sind große Ohren dazu da, um besser hören zu können.

Der Hase, den ich meine, lauschte immer besonders gut. Ihn interessierte aber selten, was sich die Menschen oder die Tiere im Wald mitzuteilen hatten. Das meiste davon hielt er für Geschwätz.

Der Hase, den ich meine, lauschte mit Vorliebe dem Wind. Der Wind kam von weit her, brachte oft Geschichten aus ganz anderen Teilen des Landes mit. Manchmal kam er vom Meer, und der Hase glaubte, in seinem Rauschen das Getöse der Wellen noch zu erkennen. Oft klang der Wind aufbrausend, manchmal aber auch hüpfend lustig oder tuschelnd, als habe er Heimlichkeiten weiterzutragen.

Und der Hase schrieb. Er hatte ein Notizbuch, in das er alles hineinschrieb. Die Geschichten, die er wirklich hörte, die Geschichten, die er glaubte, wenn er dem leisen Tuscheln innerlich Bilder gab. Seite um Seite wurde im Lauf der Zeit sein Notizbuch gefüllt.

Eines Tages ließ er sein Notizbuch versehentlich liegen, auf einer Lichtung im Wald. Er war nach Hause in den Bau geeilt, weil die Häsin Nachwuchs erwartete. Da war er sehr eilig geworden. Das Buch lag aufgeschlagen in dem härchengleichen Gras der Lichtung, aufgeblättert in seinem letzten Eintrag.

Ein leichter Windhauch strich über die Lichtung und bewegte das oberste Blatt des aufgeschlagenen Notizbuchs. Der Wind sah, was dort geschrieben stand. Es ging um ihn! Ob darin wohl noch mehr stand? Da wurde der Wind kräftiger. Er wollte lesen, was der Hase über ihn dachte.

Seit Stunden nun blättert der Wind in des Hasen Notizbuch. Er schlägt die Blätter um. Er liest sehr gründlich und immer wieder. Daher schlägt er vor und zurück, vor und zurück, und vor und zurück. Der Wind ist ein merkwürdiger Leser.

 

 

 

 

 


Der bedeutungslose Streit

Dienstag Sep 18, 2012

Wabernd klang seine Stimme. Etwas diffus, eine Stimme, die nur sehr schwer zu erfassen war. War sie hoch? War sie niedrig? Hatte sie ein Echo? All das traf es nicht. Der Nebel sprach nicht mit klarer Stimme. Auch wenn er laut wurde, so wie jetzt, hatte man den Eindruck, als hörte man drei Stimmen gleichzeitig, keine davon klar umrissen.

“Meine Zeit ist gekommen! Deine Zeit, die Zeit, zu der du scharf die Konturen der Welt bestimmst, ist vorbei. Die Sonne steht tief, und alles was du noch kannst, sind langgezogene, verzerrte Abbilder der Wirklichkeit. Geh und halte Winterschlaf!”

Der Schatten hielt kurz inne, bevor er dem Nebel vorwarf, Wirklichkeit nicht einmal beurteilen zu können, da niemand sie sehen könne, sobald er nur in der Nähe sei. “Es mag sein, dass man mir Schwarz-Weiß-Malerei vorwirft”, sprach er mit stechend klaren Worten. “Aber was weißt du schon von den Nuancen zwischen gold und orange, mit denen ich bei Sonnenuntergängen spielen kann.”

So ging es hin und her. Von den grauen Herren war die Rede, von den Schattenseiten des Lebens.

Schweigend stand mitten im Stimmengewirr die Aster. Der verbale Schlagabtausch interessierte sie nicht. Sollte im Streit gewinnen, wer mochte, für sie war es gleich.

Sie stand einfach dort. Und sehnte sich danach, die Strahlen der Sonne lila zu färben.


Karneval 2012

Donnerstag Feb 16, 2012

Das alte Weib hatte so lang am Nervenkostüm stricken müssen, bis es fast Nacht war. Sie trank einen Kamellentee und fraß einen Narren.


Ich bin die Diskussion leid. Natürlich gibt es Bielefeld.

Donnerstag Jul 14, 2011

Natürlich gibt es Bielefeld. Denn die Verschwörungstheorie ist ja nur eine geschickt eingefädelte Verschwörungstheorie der Bielefelder. All die Gerüchte um die Militärbasis, den Aufenthaltsort J.F. Kennedys, der gefangen gehalten wird, damit er nicht über die nie stattgefundene Mondlandung berichten kann, all dies wurde nicht von Menschen in die Welt gesetzt, die nur noch nie in Bielefeld waren, sondern von den Bielefeldern selbst. Auch Google Earth wurde direkt von Bielefeld aus manipuliert, die Fotos von Wäldern und Feldern am geographischen Ort wurden direkt vom Sonderforschungsbereich “Biodigitale Atmosphärenmanipulation unter Berücksichtigung der Destillation rechtsdrehender Dampfgedanken” der Bielefelder Universität in den Zentralrechner der Google Inc. eingespeist.

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Stille Post: Echolotta, der Friedhof und der Tratsch der alten Tanten in der Nachbarschaft

Dienstag Jun 14, 2011

[Echolotta trifft in voller Garten-Montur und mit diversen Werkzeugen (Heckenschere, Hacke, Schäufelchen) in der Nachbarschaft auf „Tante Neumann“, einem Albtraum ihrer Kindheit.]

Tante Neumann zu Echolotta: Hach, Kind, wo kommst du denn her?

Echolotta zu Tante Neumann: Ich komme vom Friedhof und habe da mal ein bisschen aufgeräumt, nachdem der Schnee weg ist. Ich habe ein paar Erikas rausgerissen und die matschigen Tulpen entsorgt. Dann habe ich die Buchsbaumhecke noch ein wenig gestutzt, meinem Vater und meiner Mutter sozusagen also eine neue Frisur verpasst. [lächelt]
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Aus mir wird nie ein Autor.

Montag Mai 9, 2011

Eigentlich könnte ich ja mal ein Kinderbuch schreiben. Ein Kinderbuch, das in der Tierwelt spielt.

In einer kleinen Stadt, in der der örtliche Supermarkt dem Edekakadu gehört, der Getränkemarkt der Sinalcobra, der Obst- und Gemüseladen dem Zucchinilpferd, die Spielhalle dem Ozelotto, die Tankstelle dem Shellfisch, der Friseursalon der Blondschleiche und das Schwimmbad dem Quellensittich.

In einer kleinen Stadt, in der der Mailwurf die Post verteilt und der Polizeisig für Ordnung sorgt, wenn der Redbullterrier mal wieder einen über den Durst getrunken hat und die nächtliche Ruhe vom Schläferhund stört. Einer Stadt, in der es lustige Bewohner gibt wie den Lockerspaniel und traurige wie den Melancholibri und den Berner Flennhund, dumme wie den Hirnochsen und die Nachtblindschleiche, eitle wie den Chanelefant und den Deopard.

Dummerweise kommt mit dem Pänguruh, dem Rattentäter und dem Rohrspatzkrepierer eines Tages der Terror in die kleine Stadt. Und das ist nun wirklich nichts, was in ein Kinderbuch gehört.

(insp. by @gagamemnon)


1.5.2011 Der Papst wird selig gesprochen, der Altar mit seinem Blut geweiht. Reliquien.

Sonntag Mai 1, 2011

Gestern war ich ein wenig bei den Dornaper Kalksteinbrüchen wandern. Vorbei an Bächen, durch Wälder, über Hügel. Bei einer Rast an einem Stein hörte ich ein klägliches Wimmern. Ich schaute ein wenig ins Unterholz und entdeckte eine kleine zusammengekauerte Nonne.
“Was hast du, warum weinst du?” fragte ich. “Ach, ich habe wohl einfach zu lange gerastet und die Schönheit betrachtet, mit der der Herr die Natur gesegnet hat. Und jetzt habe ich auf dem rechten Knie Moos angesetzt!” Ich bat sie, ihr Gewand ein wenig anzuheben und schaute mir  das vermooste Knie an. “Oh, das juckt bestimmt ganz fürchterlich”, sagte ich, “aber ich kann dir helfen, denn ich habe einen grünen Daumen. Read the rest of this entry »


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Neustart

Montag Apr 11, 2011

Im Herbst des vergangenen Jahres hob ich sie auf. Eine Samenkapsel einer abgeblühten, noch vor gar nicht langer Zeit schönen Sommerblume. “Ach”, dachte ich, “wie schade, dass ich euch nun so lange nicht mehr sehen werde, ihr hübschen Blumen. Nun kommt trockenes, verwelktes Laub und dann die nackten Äste. Schnee ist auch schön, aber was ist das alles gegen eine blühende Wiese.”

Traurig legte ich die Kapsel zurück ins Gras. Vielleicht würde sie noch einen Vogel sättigen.

Heute Morgen ging ich in meinen Garten. Und dort, wo ich die Kapsel im vergangenen Herbst hingelegt hatte, lachten ein paar fröhliche piepjunge Blümchen aus dem Gras.


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Warum die Katze hinten nur vier Krallen hat

Freitag Apr 1, 2011

Einst war die Katze das schönste und stolzeste Tier, das der liebe Herrgott unter der Sonne geschaffen hatte. Im Nildelta verehrte man sie wie Göttinnen, es war die Gnädigkeit der Katze, in die Häuser zu kommen.

Das wäre nun heute noch so, wenn es nicht diesen älteren Herrn gegeben hätte, der immer Stimmen hörte. Die Schizophrenie war damals noch nicht erfunden, so nahm man einfach hin, dass dieser Herr Dinge tat, die ihm irgendwer gesagt hatte, den man nicht sehen konnte. Der ältere Herr hieß Noah.
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