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In eigener Sache: Wuppertippeln

Donnerstag Okt 2, 2014

… sicher nur von lokaler Bedeutung, aber das neue Baby im Haus ist das Einpflegen der Lieblings-Feierabend-Touren in eine neue Site, die sich mit Karten und Fotos unter www.wuppertippeln.de findet.

Und besonders schön ist es, zum Beispiel auf Twitter mitzubekommen, dass jemand diese Lieblingsrunden tatsächlich nachläuft!

 


Nur der Vollständigkeit halber … Handyticket Teil 3

Donnerstag Okt 2, 2014

… am versprochenen nächsten Tag meldete sich tatsächlich ein Herr von den WSW, um mit mir das Problem der erneuten Ticketzustellung zu klären. Ein Mensch mit Ahnung! Er ließ mich wissen, wie sehr er nun herumzauberte, um die zehn Tickets für mich erneut freizuschalten. Vom Typ her würde ich den Herrn am ehesten beschreiben wie den Bahnansager auf 1LIVE. “Schätzelein …” Was mich nicht wirklich störte, denn immerhin war er derjenige, der meine Odyssee nun beenden konnte.

Nur 15 Minuten später waren wir so weit, den Ticketabruf auf meinem Handy zu testen. Testen bedeutet, man ruft eine Fahrt ab … und dann läuft das Ticket. Läuft ab. Verfällt. Weil ich zu diesem Zeitpunkt ja im Büro saß und mein Chef mich vermutlich sehr merkwürdig angeschaut hätte, wenn ich ihm gesagt hätte “Das musst du jetzt verstehen, ich geh mal eben Bus fahren”. Der Herr von den WSW versprach mir, dass er diesen Test sofort wieder stornieren würde. “Aber nicht wundern, das können Sie auf Ihrem Handy gar nicht sehen.” Mhm. Diese ohnehin sehr merkwürdig programmierte App machte es dadurch nicht durchschaubarer.

Letztes Wochenende standen wir nun zu dritt nach einer Kanutour von Wuppertal-Barmen nach Vohwinkel an der Schwebebahnhaltestelle, und ich wollte von den (vielleicht) zehn Tickets drei abrufen. Die App konnte zwar den erfolgten Ticketkauf anzeigen, schien aber partiell unter Alzheimer zu leiden. Sie wusste, dass ich was gekauft habe, aber nicht, wer ich war. (Schwebebahn 1 war bereits ohne uns losgefahren). Bei dem Versuch, mich neu anzumelden … Tja. Raten Sie, was geschah. Die App stürzte ab!!!

Vollkommen entnervt, aber glücklich, im Portemonnaie noch einen Zehner zu finden, kaufte ich dann ein Viererticket am Automaten. Seitdem schleiche ich um die App herum und habe mich bisher noch nicht getraut, sie zu öffnen. Weil ich nämlich Angst habe. Angst, dass das Zehnerticket wiederum verschwunden ist und ich in der Warteschleife der WSW lande.


Baffi ist wieder da. Und Twitter hat sie gefunden.

Montag Sep 22, 2014

Montag Morgen im Büro.

Kreidebleich tritt mir meine Kollegin entgegen: “Die Baffi ist weg.”

In wechselndem Turnus bringt immer wieder mal einer der hundebesitzenden Kollegen seinen haarigen Gefährten mit ins Büro. Das ist zwar offiziell nicht erlaubt, aber wo kein Kläger, da ist bekanntermaßen auch kein Richter. Baffi ist der kleinste dieser Hunde, alt, fast blind, fast taub, aber immer noch munter in all unseren Räumen unterwegs. Warum auch immer – Baffi hatte gestern Nachmittag abenteuerlustig einen Tunnel unter dem Zaun auf dem Grundstück meiner Kollegin gebuddelt und war in der Lüntenbeck verschwunden. “Ich rufe gleich im Tierheim an, ich habe gestern bereits dem Ordnungsamt Bescheid gegeben. Ich habe echt Angst, dass Baffi überfahren worden ist, die taube Nuss. Was kann ich denn nur sonst noch tun? Sie ist natürlich gechippt, aber bisher scheint sie noch niemand gefunden zu haben.” Meine Kollegin weinte.

Neben der schon oft gesehenen Bepflasterung umliegender Bäume und Straßenlaternen mit Vermisst-Anzeigen kam mir dann noch Twitter in den Sinn. Wir sind schon einige Twitterer im Tal; aber wer liest es dann gerade? Und was nutzt es, wenn süddeutsche Leser meiner Bitte um Retweet einer Vermisstenanzeige nachkommen? Egal. Ich bat meine Kollegin um ein Foto – allein schon, weil ich dadurch das Gefühl hatte, wenigstens irgendwas zu tun, um einen kleinen Hoffnungsschimmer anzubieten.

Gesagt getan. Ich schrieb den Tweet, der sofort von ein paar Wuppertaler Twitterern retweetet wurde. Und dann das Unfassbare: Ein paar Minuten später antwortete @schizohell, dass ich mich über Facebook bei einer Frau melden könne, die den Hund gefunden habe. In einem zweiten Tweet bekam ich dann noch einen Screenshot mit einem Foto von Baffi.

Ich rief meine Kollegin herüber, die sofort Kontakt aufnahm, um dann loszufahren und Baffi abzuholen.

Und dann saß ich erst einmal hier. Hatte Twitter Baffi wiedergefunden? Ja! Twitter hatte tatsächlich Baffi wiedergefunden. Das habe ich natürlich sofort getwittert, aber wenn die Retweet-Maschine erst einmal läuft, läuft sie. Die Vermisstenanzeige wird immer noch retweetet, mittlerweile fast 40 Mal. Wer Twitter kennt, weiß, dass sich das nicht mal soeben stoppen lässt, da man all die Timelines, in denen sich der Tweet befindet, ja gar nicht mehr erreichen kann.

Mittlerweile liegt Baffi wieder in unserem Büro, wenn sie nicht gerade auf Leckerchen- oder Schmuserunde ist. Die Finderin des Hundes hatte wohl gestern ebenso wie meine Kollegin das Ordnungsamt kontaktiert. Leider hat man meiner Kollegin auch heute dort nicht gesagt, dass wohl in der Lüntenbeck ein Hund gefunden wurde, der der Beschreibung entspricht.

Aber was auch immer analog möglich gewesen wäre: Über Twitter hat die Suche viral so rasant Erfolg gehabt, wie ich es nicht vermutet hätte. Oder doch vermutet hätte? Auf jeden Fall weiß ich eines. Ein Tweet ist keine Stecknadel im Heuhaufen. Und Crowdsourcing über Twitter ist klasse.

 

 


Ich ging wie ein Ägypter, hab mit Tauben geweint … / Update Handyticket WSW mobil

Montag Sep 22, 2014

Seit dem 12.9. telefoniere ich also nun weiter hinter meinen nicht zugestellten Handytickets hinterher. 569-5220, die Rufnummer mit niemandem rund ums Handyticket. Nicht täglich, aber fast. Und immer wieder erreiche ich nur die Warteschleife, die einen nach 5 Minuten aus dem System wirft. Längst kann ich den Songtext von “Ich ging wie ein Ägypter, hab mit Tauben geweint” auswendig, und frage mich, warum sich mein Hirn mit Songtexten füllt, deren Verfasser offenbar kurz vor der Niederschrift ein Pfund Koks auf Ex konsumiert hat. (Mal ehrlich … versteht irgendwer, was Maria im Dornwald mit Bochum ’84 zu tun hat?)

Um mal einen Schritt weiter zu kommen, habe ich mich vorhin dann also an die WSW-Nummer “Lob & Kritik” unter 569-5250 gewandt. Ich habe erwartet, dass mich dort eine deeskalationsgeschulte Stimme erwartet, ein Lächeln vor dem Annehmen des Anrufs, eine Fröhlichkeit, die einem vermittelt, dass infizierte Kinder in Sierra Leone doch viel schlimmer sind als schnöde Tickets. Mir schlug jedoch die stimmbandmanifest gewordene Langeweile entgegen und der Eindruck, dass ich offenbar gerade jemand vom Zapfen eines frischen Kaffees abgehalten hatte. Immerhin nannte man mir dort eine alternative Rufnummer, unter der ich die zuständigen Leute bei Handyticket erreichen kann: 0800/569-2000.

Ein Lichtblick? Nö. Die anrufannehmende Dame (mit slawischem Akzent, aber immerhin wach) bot mir an, mich auf die Nummer 5220, Handyticket, umzuleiten. Wir waren uns schnell einig, dass ja genau das nicht geht. Also stellte sie mich durch zur Durchwahl 5210, wo man Fragen zu “Tickets allgemein” beantworten könne.

Mhm. Die Schleife, in die sie mich weiterleitete, besagte allerdings, dass ich nun in der Abonenntenbetreuung gelandet war. Es handelt sich aber nicht um Abo-Tickets. Was vollkommen egal ist, denn auch dort geht niemand ans Telefon. Ich habe es mehrfach getestet. Warteschleife, fünf Minuten, und wieder der Ägypter mit seinem lila Regen.

Der letzte Versuch ist nun, die WSW per Rückrufformular zu kontaktieren. Fast schon gar nicht mehr möglich, all das bisher (nicht) Vorgefallene in der zur Verfügung stehenden Zeichenbegrenzung zu schildern. Aber siehe da. Während ich diesen Text hier verfasse, hupt mein Handy mit der freundlichen Mitteilung eines freundlichen WSW-Mitarbeiters, dass man die Unannehmlichkeiten entschuldige und dass mich morgen ein Kollege diesbezüglich kontaktieren werde und man mich bis dahin freundlich grüße.

Nun – ich bin gespannt. Und warte. Auf morgen. Immerhin habe ich jetzt schon einmal einen Namen eines Herrn, der sich für mein Anliegen zuständig fühlen soll. Ob mein Handy morgen klingelt? Und was mache ich, wenn ich meine tägliche Dosis WSW-Warteschleife nicht mehr bekomme? Mit Tauben weinen? Im lila Regen?

Fortsetzung folgt.

 

 


Musikalisch mobile Öhrchen. Das Handyticket der Wuppertaler Stadtwerke.

Freitag Sep 12, 2014

Was ich gerade mache?

Ich schreibe diesen Artikel und höre Warteschleifenmusik. Letzteres seit aktuell exakt 9 mal 5 Minuten bis zu der Bitte, es doch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen.

Die Historie:

Vor zwei Wochen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Handyticket bei den WSW erstanden. 10 Fahrten für 22€. Während des Bestellvorgangs stürzte die App ab. Mein gekauftes (?) Ticket wurde mir nicht zugestellt. Einige Tage später sah ich, dass die Summe aber von meinem Konto abgebucht wurde.

Tja nun. Bei meinem nächsten Besuch in der Barmer Innenstadt ging ich ins Mobi-Center der WSW, um den Fall zu schildern. Vor mir 23 wartende andere Kunden. Nö. Also ein anderes Mal.

Heute also war ich in Wuppertal-Elberfeld, das Mobi-Center war erfreulich leer. Der Mitarbeiter, an den ich geriet, sagte mir, dass man mir bei meinem Problem nicht helfen könne, da müsse ich bei ihnen anrufen. “Wenn Sie alles über das Handyticket wissen wollen, dann schauen Sie doch mal in unseren Flyer. Er drückte mir einen Flyer mit allem über das Handyticket in die Hand. Ich schaute hinein. Darin steht: “Wenn Sie noch Fragen haben, dann wenden Sie sich doch an das Mobicenter der WSW in Barmen oder in Elberfeld”.

Nun. Da stand ich ja jetzt. Ich verwies auf die Angabe im Flyer, aber der Mitarbeiter blieb hartnäckig. “Nein, da können wir Ihnen nicht helfen, Sie müssen uns anrufen.” Meinen kleinen Witz: “Mache ich. Jetzt sofort. Und dann klingelt Ihr Telefon am Tisch? Und dann helfen Sie mir?” verstand er nicht.

Draußen vor der Tür begann ich dann also, die Nummer der WSW für das Handyticket 0202/569-5220 anzurufen. Nach fünf Runden Warteschleife à 5 Minuten, vielen Versicherungen, dass der nächste freie Mitarbeiter meinen Anruf gern entgegennehmen würde, hatte ich einen sprechenden, leibhaftigen Menschen am Apparat.

Ich schilderte den Fall, der sich platt zusammenfassen lässt als: “App beim Buchen abgestürzt, Ticket bezahlt, aber nicht zugestellt.” So platt war es für den sprechenden Menschen aber nicht. Vor allem, weil man dafür ja gar nicht zuständig sei. Dafür müsse ich mich an die Firma logpay wenden. Die könne mir das Ticket erneut zustellen. Er nannte mir die Telefonnummer der Firma logpay, die ich dann umgehend anrief – und nicht vergeben war. Meine Recherchen im Internet ergaben, dass die Telefonnummer mittlerweile ja auch eine ganz neue war. Danke, lieber Mitarbeiter der WSW.

Auch bei der Firma logpay landete ich erst einmal in einer Warteschleife. Aber nur kurz, bis sich eine freundliche Call-Center-Mitarbeiterin meines Problems annahm. Es dauerte ein Weilchen, bis wir das Problem dahingehend sortiert hatte, dass ich das Ticket nicht stornieren wollte (dafür hätte sie auch einen Auftrag der WSW gebraucht, nicht meinen), sondern einfach nur meine Tickets. “Ach so”, sagte sie. “Nö, wie kommen die darauf, dass wir das können? Wir sind für die Zahlung zuständig, für die Ausstellung des Tickets sind die WSW zuständig.” “Das heißt also, dass ich da jetzt wieder anrufe und denen mitteile, dass ihre Auskünfte falsch sind?” “Ja.”

Seitdem sitze ich also mit musikalisch mobilen Öhrchen am Rechner, rechts neben mir mein mittlerweile ans Stromnetz angeschlossenes Handy. Alle fünf Minuten wähle ich erneut die Nummer 0202/569-5220 der Handy-Ticket WSW Mobil GmbH und höre Warteschleifenmusik. Aktuell bin ich in Runde 13. Aber was soll es. Ich hab ja eh nichts anderes vor, denn mit dem Bus irgendwo hinfahren kann ich ja gerade nicht.

Korrektur: Runde 14.

 

 

 


Schöne Musik oder: Räumt besser mal die Brücken weg

Donnerstag Mrz 20, 2014

Als Sänger ist man häufig damit konfrontiert, schöne Musik mit grausamen Texten zu singen.  Da ist sicher der Herr Bach zu nennen, der ja sehr gern mal das Sterben schön hat.

Aktuell studieren wir ein zeitgenössisches Werk ein, in dem zeitgenössische Lyrik vertont wird. Da geht es unter anderem darum,  dass allem Anbeginn der Tod innewohnt, der sich Tag für Tag mehr vom Leben nimmt und alles daher nicht wirklich einen Sinn ergibt. Mit dieser Einstellung habe ich kein halbvolles oder halbleeres Glas, ich habe nicht mal Wasser. Oder ein überhaupt ein Glas.

Mein Lieblingstext aus dieser Kategorie ist und bleibt aber eine Vertonung von Zoltán Kodály. Ich weiß noch, wie man dem Kammerchor nach jeder Probe an dunklen Abenden erst einmal alle Brücken aus dem Weg räumen musste, auf dass sich niemand herunterstürze.  Die Musik: Ein wunderbarer Klangteppich. Die Konzerte: Ein voller Erfolg. Aber wir sind uns bis heute sicher: Würden wir dieses  Stück in einem Seniorenzentrum singen, gäbe es spätestens im Anschluss an die letzten beiden Verse jede Menge freie Plätze im Heim:

 

Zoltán Kodály: Die Alten

Wie einsam, verwaist die Alten sind!
Ich seh ihnen nach gar oft aus dem Fenster,
wenn mitten im Schnee,
mit schwerer Reisiglast
matt sie sich heimwärts schleppen im Wind.

Und wenn vorm Hause zur Sommerzeit
so müd sie hocken im Sonnenscheine.

Und wenn sie den langen Winterabend
still durchschlummern am Ofen gelehnt.

Steh´n mit lang ausgestreckten Händen
kummergebeugt vorm Kirchentore,
herbstlich welken Blättern gleich
im grauen Staube.

Wenn sie auf Stöcken schlotternd
tief gebückt geh´n durch die Gassen,
frostig starrt sie selbst die Sonne an,
und wie seltsam klingt´s, wenn Leute rufen:
Gott grüß Euch, Alter!

Des Sommers Glanz, des Winters Frost,
welkes Herbstlaub, frühlingsergrünte Flur,
eins raunen ihnen alle zu:

Lebenskessels verkohlte Asche,
Lebenskarrens verdorrter Strohhalm,
Lebensfeuers erlosch´ne Lohe,
du bist aufgezehrt,
du bist abgetan,
du bist ausgebrannt!
Magst zur Ruhe geh´n!

Und streichelt ihre müde Hand,
lockenumrahmtes Kindergesicht, wie weh tut´s zu wissen:
Diese Hand, die ewig sorgende, nimmer ruhende,
keiner, ach, keiner braucht sie auf Erden.

 


Der alte Mann

Dienstag Aug 6, 2013

In der kleinen Fabrik gegenüber meinem Arbeitsort gibt es nur ein Fenster, das immer geöffnet ist. Aus diesem Fenster schaut ein alter Mann. Dieser alte Mann trägt einen blauen Arbeitsanzug, der für eine Arbeit an öligen Maschinen spricht. Der alte Mann stützt sich auf seine Unterarme und schaut … ja wohin schaut er? Beobachtet er die Autos auf der vielbefahrenen Bundesstraße? Die Passanten? Überprüft er die Taktung der Busse? Die Taktung der Wolken am Himmel?

Der alte Mann sitzt dort jeden Tag. Er sitzt dort morgens. Mittags. Nachmittags. Um 16 Uhr, bei Werksschluss, ist er verschwunden. Er verlässt seinen Platz höchstens mal für zehn Minuten.

Ich weiß nicht, was die Firma produziert, groß ist sie nicht. Vielleicht ein Familienunternehmen. Genau das mag ich mir sehr gern vorstellen. Der Senior der Familie, längst aus dem Beruf ausgeschieden, steht noch jeden Morgen um halb sechs auf. Frühstückt, schmiert sich seine Butterbrote für den Tag. Dann geht er zu Fuß in seine Firma. Das ist nicht weit; er wohnt in einem der Hinterhäuser aus Backstein. Er betritt die Werkshalle, schaut kurz nach dem Zustand der Maschinen. Begrüßt seinen Sohn, der selbst schon hoch in den Fünfzigern ist. Er setzt sich an seinen Arbeitstisch und repariert eine Zange. Doch dann geht er ans Fenster. Und seine Gedanken driften ab. Er denkt an den erfolgreich an Land gezogenen Auftrag in den 1960er Jahren. Seine verstorbene Frau. Und wie er es geschafft hat, in seiner Zeit als Firmenchef nie auch nur einen einzigen Mitarbeiter entlassen zu müssen. Im Hintergrund das vertraute Geräusch der Maschinen.

Um 16 Uhr geht die Werksglocke. Sie ist nie durch ein moderneres Signal ersetzt worden. Der alte schnuppert noch einmal die ölig riechende Luft, packt seine nun leere Butterbrotdose ein und geht heim.

Seine Familie lässt ihn. Der Sohn fragt sich oft, worüber sein Vater jeden Tag nachdenkt. Was überhaupt noch in seinem sehr alten Kopf vorgeht. Ob er nicht besser dafür sorgen sollte, dass sein Vater in ein Seniorenheim gehe; es musste ja auch nicht das günstigste sein. Man hatte privat immer sparsam gelebt. Aber er wusste: Am nächsten Tag würde sein Vater wieder in der Werkshalle stehen. Das Fenster öffnen, hinausschauen – und irgendwie glücklich und zufrieden sein.


“Darf es sonst noch etwas sein?”

Mittwoch Mrz 13, 2013

„Darf es sonst noch etwas sein?“

Ihr Blick ist nicht auf mich gerichtet, er schweift über die Wurstauslage.

„Wir haben heute Leberwurst im Angebot! Darf es sonst noch etwas sein?“

Ich sage, dass sie mir gern ein Stück Leberwurst abschneiden darf. Während sie schneidet, fragt sie:

„Vielen Dank. Darf es sonst noch etwas sein?“

„Ja, ein bisschen besseres Wetter.“

„Haha, der ist gut, wenn ich das mal in der Theke hätte. Darf es denn sonst noch etwas sein?“

„Nur noch ein Stück Fleischwurst. Mit Knoblauch.“

„Gern, vielen Dank. Darf es sonst noch etwas sein?“

„Sagen Sie mal, wussten Sie eigentlich, dass die durchschnittliche Lebenserwartung einer Fleischereifachverkäuferin 11.204 ‚Darfessonstnochwasseins‘ beträgt?“

Ein Blick wie die Fettaugen auf einer Suppe. Ein Lächeln wie das auf der Bärchenwurst.

 


Der Krokus

Montag Dez 3, 2012

In der Tiefe seiner Zwiebel ~ entfacht der erste Schnee ~ die Erinnerung an werdendes Leben


Rose und Schmetterling

Freitag Sep 21, 2012

Angezogen von Farbe und Duft fliegt der Schmetterling in die Rose. Seine Flügel gleichen in ihrer Form den Blütenblättern.

Tief steckt der Schmetterling seinen Rüssel in den Kelch. “Ach wäre ich doch ein Teil dieser Rose, dann würde ich diesen Duft immer bei mir tragen.”

Die Rose freut sich über den Besuch des Schmetterlings. Sie spreizt ihre Blätter, um ihm Platz zu machen. Der Schmetterling flattert dabei mit den Flügeln. “Ach hätte ich doch Blätter, die fliegen könnten! Dann könnte ich meinen Duft in der ganzen Welt verbreiten.”

Wer sie anschaut, die beiden, den Schmetterling in der Rose, sieht die perfekte Symbiose der Wünsche. Sind es Schmetterlingsblätter? Sind es Rosenflügel?

 


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